Legionellen im Trinkwasser
Unter dem Elektronenmikroskop können Legionellen sichtbar gemacht werden. Hier ist ein starker Befund abgebildet. Foto: Janice Haney Carr/Public Health Image Library
Es ist ein Luxus, den man sich viel zu selten bewusst macht: eine Drehung des Handgelenks und schon sprudelt klares, sauberes Wasser aus dem Hahn. Ein Lebensmittel, das Menschen in den meisten Ländern der Welt in dieser Beschaffenheit nur in Flaschen verfügbar ist und gekauft werden muss, gibt es in Deutschland frei Haus. Doch auch wenn unser Leitungswasser als sauber und gesund gilt, trägt es Keime mit sich. In der Regel sind es nur sehr wenige. Doch steht lauwarmes Wasser in den Leitungen, können die Keime sich schnell vermehren und gefährlich werden. Die besonders berüchtigten Legionella pneumophila können im Extremfall sogar bei gesunden Menschen lebensgefährliche Lungenentzündungen verursachen.
Was genau zu tun ist, um die massenhafte Vermehrung der Keime im Trinkwasser – das ja schließlich bis zur Zapfstelle Trinkwasserqualität haben soll – zu verhindern, hat der DVGW in Deutschland im Arbeitsblatt 551 zusammengestellt. Im Wesentlichen dreht es sich um 3 Zahlen:
3 Liter ist das maximale Volumen, das in einem beliebigen Abschnitt einer Warmwasserlei-tung stagnieren (stehendes Wasser) darf, selbst wenn das Wasser im Durchlaufprinzip erwärmt wird. Ist die Wassermenge größer, muss eine Zirkulationspumpe eingesetzt werden. Doch auch mit Zirkulation darf eine Abzweigleitung nicht mehr als 3 Liter Wasser stagnierend enthalten. Das entspricht bei üblichen Durchmessern im Einfamilienhaus ca. 17 m Leitungslänge.
60°C ist die Temperatur, die das warme Wasser am Austritt des Speichers mindestens haben muss. Die gilt für den Weg bis zur Zapfstelle.
55°C muss das Wasser immer noch warm sein, wenn es die Zapfstelle durchströmt und wieder zurück zum Trinkwasserwärmer kommt. Ausgenommen sind von diesen Regeln nur Ein- u. Zweifamilienhäuser.
Hohe Temperaturen sind nicht alles. Doch es gibt auch viele Aspekte, die gegen so hohe Temperaturen sprechen. Solaranlagen und Wärmepumpen verlieren an Energieeffizienz bei Latendwärmebetrieb. Hohe Temperaturen führen zu Kalkausfällungen in Rohrleitungen (kaum bei Kunststoffverbundrohr), Wärmetauscher und Speichersystemen. Bei hohen Temperaturen gehen Blei, Kupfer und Nickel wesentlich stärker in das Trinkwasser über (auch hier kaum bei Kunststoff-Verbundrohr). Kann man sich also nicht anders als mit hohen Temperaturen vor Legionellen schützen? Einfache aber wirksame Verfahren:
In Ein-/Zweifamilienhäuser:Mit Zirkulation wöchentlich für 1 Stunde die Heiztemperatur des Systems Warmwasserberei-tung auf 70°C hochfahren, Pumpe in dieser Zeit laufen lassen. Günstig in der Nachtzeit, damit keine Verbrühungen geschehen. In der Regel über Regelsystem automatisch möglich.
Ohne Zirkulation den Prozess gleichermaßen betreiben, jedoch die Zapfstellen abzapfen jeweils für ca. 3 Minuten.
Bei vorhandenen großdimensionierten Leitungen die Brauchwassertemperatur auf mindestens 60°C halten. Legionellen fühlen sich in niedertemperiertem Wasser und bei geringer Strömungsgeschwindigkeit wohl und entwickeln eine Population.
Im Neubau gering und ausreichend dimensionierte Leitungen einsetzen, die eine hohe Strömungsgeschwindigkeit erzeugen. Kunststoff-Verbundrohre erleichtern diesen Prozess und sorgen auch für geringe Schallentwicklung bei hoher Strömungsgeschwindigkeit.
Das Speichervolumen für Warmwasserbereitung auf den pro Kopf Verbrauch auslegen und nicht über 400 Liter dimensionieren, weil bei diesem Volumen der Wasseraustausch im vollen Volumen nicht stattfindet.
Ablagerungen von Sedimenten an den Wandungen des Leitungsinneren –tritt häufig bei Metallleitungen auf- sind ein guter Nährboden für die Keime. Diese Ablagerungen stehen auch für eine geringe Strömungsgeschwindigkeit. Überdimensionierte Leitungsstränge sollten daher mind. Einmal in 3 Jahren von den Zapfstellen zum Systemanfang (Speicher) gespült werden. Für diesen Spülprozess wird ein Luft-Wasser-Gemisch (Luft mit einem Kompressor beigemischt) eingesetzt. Die Luft im Wasser wirkt durch die erzeuget Oberflächenspannung wie eine Bürste im Rohr.Die Eigenerfahrung des Webmasters dieser Website in Sachen Legionelleninfektion:
Es war ein Geschäftsbesuch auf Deutschlands nördlichster Insel. Die Übernachtung wurde kurzfristig entschieden. Ein gepflegtes Haus, das Zimmer im Dachgeschoss. Ein Duschbad am Abend und eines am folgenden Morgen genommen. Die Duschabtrennung war hoch aufbauend und hatte wenig Platz für den Luftaustausch. Der Wasserdampf versammelte sich also im Duschbereich. Die Wassertemperatur ließ sich nicht über ca. 40°C erhöhen. Das Abzapfen von kaltem Wasser bis warmes, aber nicht hochtemperiertes Wasser kam, dauerte verhältnismäßig lange. In einem mehrgeschossigem Haus also keine Zirkulationsanlage in Betrieb. Die Einatmung der Wasertröpfchen aus dem Dampf führte zur Infektion.
3 Tage später dann eine starke Bronchitis mit weiteren Folgen. Der Hausarzt erklärte: „Früher gingen wir damit in’s Krankenhaus, heute steht man dies mit Antibiotikum durch.“ Er sprach von einer Lungenentzündig und nicht von der heftigen und gefährlichen Legionelleninfektion. Ursächlich war die Ducheinrichtung, die keinen Luftaustausch zuließ, die seltene Benutzung - wie ich später erfuhr – dieses Zimmers, die zu geringe Brauchwassertemperatur und keine Zirkulation mit möglicher thermischer Desinfektion (zeitweiser Betrieb mit erhöhter Temperatur – bei über 60°C sterben die Legionellen ab).
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