Wasser - so banal und doch so wichtig
Wasser – so banal und doch so wichtig - Dr. Michael Spitzbart
Für die einen bedeutet frisches Wasser eine kleine Umdrehung am Zapfhahn, für andere einen Kilometer langen Fußmarsch. Dabei gilt der Zugang zu frischem Wasser seit dem Jahr 2010 als Menschenrecht. Obwohl die Oberfläche unseres blauen Planeten zu mehr als zwei Drittel aus Wasser besteht, ist die Ressource Wasser wichtiger als Öl oder Gas. Denn nur drei Prozent vom gesamten Wasser liegen als Süßwasser vor. Der überwiegende Teil ist das Salzwasser der Weltmeere. In Flüssen, Bächen und Seen fließen knapp 2ß Prozent des Süßwassers, über 80Prozent des Süßwassers sind gespeichert im ewigen Eis der Polkappen.
Obwohl wir in unseren Breiten unbegrenzt und freien Zugang zu frischem Wasser haben ist mancher Zeitgenosse innerlich so trocken wie die Wüste Gobi. Gerade ältere Menschentrinken nur, wenn sie Durst haben. Das Problem ist allerdings: Sie haben fast keinen Durst mehr! Nehmen Sie doch einmal bei sich selbst und bei einem älteren Menschen die Haut des Handrückens zwischen Daumen und Zeigefinger und heben Sie die Haut kurz etwas ab. Normalerweise sollte die Haut gleich elastisch zurückfallen in die Ausgangsposition. Bei manchen Menschen bleibt die Hautfalte aber länger stehen. Diese „stehende Hautfalte“ ist ein deutliches Zeichen für eine Unterversorgung mit Flüssigkeit – mit weitreichenden Konsequenzen.
Der Körper besteht zu 70 Prozent aus Wasser, das Gehirn sogar zu 90 Prozent. Haben unsere Zellen nur 10 Prozent weniger Flüssigkeit, haben sie 30 Prozent weniger Energie. Das macht sich nicht nur körperlich bemerkbar, auch geistig. Das Kurzzeitgedächtnis ist deutlich herabgesetzt und die Denkgeschwindigkeit läßt nach. Das Blut dickt ein und verändert sich in einen zähflüssigen Sirup.
In meiner Praxis schaue ich mir das Blut meiner Patienten sofort unter dem Mikroskop an. Leider machen das die Ärzte heute nicht mehr. Die Ampullen werden mit Blut gefüllt und dann unbesehen an das Labor gesandt. Dadurch gehen viele wertvolle Informationen verloren. Auch pädagogisch ist es sehr wertvoll, wenn der Patient das Ergebnis seines Wohlverhaltens oder aber seines Fehlverhaltens sofort und „live“ auf dem Bildschirm betrachten kann.
(Schauen Sie sich das Bild ober links an) Sie erkennen, dass die roten Blutkörperchen alle schön einzeln vorliegen und deutlich ihre Hauptaufgabe, den Sauerstofftransport, optimal durchführen können. Dieses Bild spricht für eine sehr gute Blutviskosität. Bis in die feinsten Kapillaren können die Blutkörperchen vordringen und den lebenswichtigen Sauerstoff abliefern. Die biologischen Grundvoraussetzungen für eine Leistungsfähigkeit sind somit gegeben. Übrigens: Die beiden größeren Zellen im Blut sind weiße Blutkörperchen, die uns viel über das Immunsystem verraten.
(Schauen Sie sich das Bild ober rechts an) Auf den ersten Blick erkennen Sie, dass die roten Blutkörperchen nicht einzeln fließen, sondern verklumpt sind. Im Fachjargon nennt man das „Geldrollenphänomen“, weil das Bild an Münzrollen erinnert. Beim Auto würde man bei so einer eingeschränkten Viskosität an einen Ölwechsel denken. Das verklumpte Blut kann sehr viel schlechter in das Kapillarnetz einfließen. Zudem ist die Oberfläche der Zelle, über die der Sauerstoff abgegeben wird, besetzt von der Nachbarzelle. Körper und Gehirn werden schlechter mit Sauerstoff versorgt. Man ist müde, schlapp und wenig leistungsfähig. Auch Kopfschmerzen können daraus resultieren. Das Phänomen: Zwischen den beiden oben angezeigten Bildern liegen oft nur 2 Liter Wasser, die Sie getrunken haben – oder eben nicht. Einen banaleren und gleichzeitig wertvolleren Fitnesstipp für Körper und Geist, als auf eine genügende Flüssigkeit zu achten , kann man nicht geben.
Faustregel: Pro 25 Kilo Körpergewicht sollte man 1 Liter täglich trinken. Da denkt sich der Bayer: „Drei Maß bag i leichd!“ Doch leider zählen Bier, Wein und Kaffee nicht zur Flüssigkeitsbilanz, da sie dem Körper unter dem Strich mehr Flüssigkeit rauben, als ihm zuführen. Häufig vergessen wir in der Hektik des Alltags einfach das Trinken. Darum sollte man sich morgens schon die Tagesration bereitstellen, die abends leer sein muss. Nur so ,behalten Sie die Kontrolle. Wer erst dann trinkt, wenn er Durst hat, hat schon verloren. Den Bärenanteil sollte man bis 16 Uhr getrunken haben. Wer sich erst nach der Arbeit die Tagesration einverleibt, büßt dafür an Nachtruhe ein, weil man ständig zwischen Bett und Toilette pendelt.
